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Versteinerte Pflanzen

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Ukraine, Oblast Donezk, Kieselhölzer vom Westrand des Donbass

Riesige Sonnenblumenfelder kennzeichnen die Region

Neben den bekannten unter- bis oberkarbonen Makrofloren aus den Steinkohlen des Donbass in der Ostukraine, gibt es auch zahlreiche Fundstellen silifizierter Pflanzenreste in diesem Gebiet.

Ich habe in den Jahren 2011 und 2012 einige dieser Fundstellen am West- bis Nordwestrand des Donbass besucht, die sich überwiegend im Oblast Donezk und zum Teil im äußersten Osten des Oblast Lugansk befinden.

Zahlreiche Fundstellen am Westrand des Donbass

In der Nähe des Dorfes Druschkovka (Дружковка) befindet sich ein Naturschutzgebiet, in dem an mehreren Stellen große Kieselholzstämme aus den anstehenden hellen, feldspatreichen Mittel- bis Grobsandsteinen (Arkosen) teilweise erodiert sind. Komplette Stammsegmente, die schräg in den Klastika lagern (Einfallen ca. 40° nach Nordost) weisen bis zu 50 cm Durchmesser auf. Auf der Oberfläche finden sich zahlreiche Kieselholz-Bruchstücke und -Splitter bis max. 1,5 m Länge.

Schräg lagernde, ca. 40° nach Nordost einfallende Stammsegmente von Koniferen

In einem Skulpturenpark bei Konstantinovka (Константиновка) sind sehr eindrucksvolle Stämme zwischen 0,5 m und 2,0 m Länge aufgestellt, die aus der Region zusammen getragen wurden. Es handelt sich bei allen Funden um Koniferenhölzer. Im Gebiet westlich der Stadt Lisitschansk (Лисичанск) sind Kieselhölzer recht weit verbreitet. In der Region ist eine mächtige Lößüberdeckung vorhanden, so dass fundhöffige Schichten oberflächig nur selten aufgeschlossen sind. In Wasserrinnen haben wir teilweise frei gespülte Stämme und Stammsegmente von 1,0 m bis 1,5 m Länge und 0,3 m bis 0,5 m Durchmesser gefunden. An Feldrändern sind ebensolche Kieselhölzer abgelagert, die bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung frei gelegt wurden.

An Feldrändern abgelegte Kieselholzstämme, zwischen 1,3 und 1,8 m lang Ausgegrabenes, 3,2 m langes Stammsegment mit 0,6 m Durchmesser

Das größte Stammsegment, das wir in einer Brachfläche ausgegraben haben, besaß eine Länge von 3,2 m und einen Durchmesser von 0,6 m. Dieses befand sich in originaler Fundposition in den hellen, weißgrauen Arkosesandsteinen in 40 bis 60 cm Tiefe und war annähernd Ost-West orientiert.

Nur selten gute Gewebeerhaltung

Die Kieselhölzer besitzen hellgraue, hellbraune, gelbliche und z.T. dunkelbraune Farbtöne. Überwiegend handelt es sich um lang gestreckte Stammsegmente mit sichtbaren Astabgängen. An mehreren Fundstücken sind Bohr- oder Fraßgänge zu erkennen. Eine größere Kieselholztrommel von 1,6 m Länge und 0,35 m Durchmesser besitzt auf der Außenseite regelrechte Fraßgalerien.

Bohr- oder Fraßgänge auf der Oberfläche eines Stammsegmentes Astknoten auf der Oberfläche eines Kieselholzstammes

Die Gewebeerhaltung ist meist mäßig mit zuckerkörnigen Quarz-Rekristallisationen. Fundstücke, bei denen die Gewebeerhaltung so gut ist, dass taxonomische Merkmale für die Bestimmung vorhanden sind, kommen sehr selten vor.

Koniferenholz im Querschnitt; Durchmesser 8 cm Koniferenholz im Querschnitt; Durchmesser 15 cm

Koniferenholz im Querschnitt; Durchmesser 12 cm Detail des 22 mm breiten Markraumes des Koniferenholzes aus der Abbildung zuvor

Koniferenholz mit großem Markraum im Querschnitt Koniferenholz im Querschnitt; Detail des Holzgewebes mit den Markstrahlen Koniferenholz im Querschnitt; Detail des Überganges zum Mark; in das Mark vorspringende Xylemkeile

Überwiegend Koniferen, selten Calamiten

Die Funde aus der Region werden dominiert von Koniferenhölzern. Sehr bemerkenswert ist der Feldfund eines hervorragend erhaltenen, silifizierten Calamitenstämmches, der Herrn A. Knjasev im Jahr 2012 etwa 20 Kilometer westlich der Stadt Lisitschansk (Лисичанск) gelang und dankenswerterweise von PD Dr. R. Rößler/Chemnitz als Arthropitys sp. bestimmt wurde. Das etwa 40 cm lange und 12 cm Durchmesser aufweisende Stämmchen mit mehreren Astabgängen ist leicht deformiert, so dass Gefäßsegmente in den Markraum gedrückt wurden. Der Markraum mit ovalem Querschnitt besitzt die Abmaße 55 mm x 25 mm und ist z.T. mit Quarzkristallen ausgekleidet.

Querschnitt von Arthropitys sp.; Durchmesser 12 cm Mikroskopisches Detail aus der Abbildung zuvor zeigt die Holzkeile separiert von Markstrahlen Mikroskopisches Detail zweier Carinalkanäle aus der Abbildung zuvor umgeben von Metaxylem

Pflanzenreste aus dem Oberkarbon

Die Funde der silifizierten Pflanzenreste entstammen der "Araukaritovaja svita" (Араукаритовая свнта), die in das Gzhelium (oberstes Oberkarbon) zu stellen ist (BUREŠ & UDOVITSCHENKO, 2012).

System Serie Stufe Alter  
Perm Cisuralium Asselium 299 - 295  
Karbon Pennsylvanium Gzhelium 303 - 299 Alter der Makrofloren
Kasimovium 307 - 303  
Moskovium 312 - 307  
Bashkirium 318 - 312  
Mississipium Serpukhovium 328 - 318  
Visèum 345 - 328  
Tournaisium 359 - 345  
Devon Oberdevon Famennium 374 - 359  

Die Pflanzenreste finden sich umgelagert (nicht mehr an ihrem ursprünglichen Wuchsort) innerhalb der klastischen Serien. Die geol. Verhältnisse am Westrand des Donbass sind damit mit denen des Krkonoše-Piedmont-Beckens (Fundgebiet Nova Paká Region in Tschechien) oder des Innersudetischen Beckens (Fundgebiet um Broumov/Tschechien) vergleichbar.

Literatur

BUREŠ, J., UDOVITSCHENKO, N.: Diversity of silicified woods from the uppermost Pennsylvanian (Gzhelian) of the Pilsen Basin (Czech Republic) an Donets Basin (Ukraine): Vortrag auf dem Workshop Lugansk, 17. - 21. Sept. 2012.

 

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